Führungskräfte-Entwicklung für kirchliche Top-Positionen

Auf welche Herausforderung reagiert das Projekt?

Die Skandale der jüngeren Vergangenheit (Missbrauch, Umgang mit Finanzen) haben Defizite in der Führungskultur der Kirche offengelegt. Diese Defizite bestehen insbesondere in den Bereichen Steuerung, Kontrolle und Feedbackkultur.

Im Zentrum des Projektes standen die Fragen:

–              Welche Kompetenzen benötigen Führungskräfte in kirchliche Organisationen?

–              Wie können diese Kompetenzen vermittelt werden?

Kooperationspartner:

Laufzeit: März 2015 – Februar 2018

In einem ersten Schritt der Praxisrecherche wurden zunächst das kirchliche und säkulare Umfeld wahrgenommen: Welche Angebote gibt es bereits in der Führungskräfteentwicklung? Welche Zielgruppen werden angesprochen? Welche Formate gibt es? Welche Philosophien liegen diesen Angeboten zugrunde? Gibt es Unterschiede zwischen kirchlicher und säkularer Praxis? Was kann man von den bereits existierenden Angeboten und ihren Anbietern lernen? Darüber hinaus ist es notwendig, möglichst genau den Bedarf im Bereich der Führungskräfteentwicklung zu analysieren. Welche Anforderungen stellen sich kirchlichen Führungskräften? Diese Anforderungsanalyse erfolgte in zwei Teilschritten. In einem ersten Teilschritt wurden Interviews mit ausgewählten Führungspersönlichkeiten der obersten Führungsebene geführt. In einem zweiten Teilschritt kam es zu drei Kooperationsprojekten, in denen kirchliches Führungshandeln konkret beobachtet werden konnte.

In einem zweiten Schritt des Austauschs in der wissenschaftlichen Reflexion wurde Resonanz mit den relevanten wissenschaftlichen Diskursen erzeugt. Der Austausch fand im kontinuierlichen und systematischen Gespräch mit drei Forschergruppen statt: Der pastoraltheologisch-sozialwissenschaftliche Diskurs wurde über das Forscherteam des zap, der theologische Diskurs über den an der Katholisch-Theologischen Fakultät der RUB angesiedelten Theologischen Gesprächskreis und der Führungsdiskurs durch das mit Experten aus theologischer und ökonomischer Wissenschaft, kirchlicher und säkularer Führungspraxis sowie kirchlicher und säkularer Beratung besetzte Sounding Board eingespielt.

Das Projekt endete mit der Entwicklung zweier „Produkte“: Das erste Ergebnis ist ein Rahmenkonzept für Qualifizierungsprogramme, das als Grundlage und Orientierungsrahmen für die Entwicklung von Qualifizierungsprogrammen dienen soll. Das zweite Ergebnis ist ein konkreter Vorschlag zum Aufbau einer Organisation, in der zum einen die kontinuierliche wissenschaftliche Überprüfung und Verfeinerung des Qualifizierungskonzepts und zum anderen die Entwicklung von zielgruppenspezifischen und bedarfsgerechten Qualifizierungsprogrammen sichergestellt wird.

Das Qualifizierungsprogramm fand nicht die Resonanz, die für eine gruppendynamisch und wirtschaftlich sinnvolle Durchführung notwendig gewesen wäre. Aus den Rückmeldungen zum Qualifizierungsprogramm hat das zap gelernt, dass es Schwierigkeiten gab, präzise die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu benennen, die das Potenzial für übergreifende Führungsaufgaben haben. Zudem wurde deutlich, dass organisationsübergreifende Angebote im deutschsprachigen Katholizismus nur dann eine Akzeptanz finden, wenn sie von einer breiten Mehrheit getragen und bottom-up und partizipativ entwickelt werden.