Nihil obstat: Verfahren und Auswirkungen

Auf welche Herausforderung reagiert das Projekt?

„Es steht nichts im Wege“. Diese Erklärung erhoffen sich angehende Professor:innen der katholischen Theologie nach ihrem Ruf an eine theologische Fakultät oder ein Institut im deutschsprachigen Raum. Denn nicht nur der akademische Auswahlprozess mit Qualifikationsarbeiten, Publikationen, Probevorlesungen sind relevant für die Besetzung von Lehrstühlen, es bedarf auch der Zustimmung des jeweiligen Ortsordinarius sowie der Zustimmung Roms mit einem „Nihil Obstat“ bei der ersten Berufung auf eine Lebenszeitprofessur.

Kooperationspartner:
AGENDA Forum katholischer Theologinnen e.V.

Laufzeit: 2023

Die vorliegende Studie untersucht zum ersten Mal die Auswirkungen dieses Prozesses auf die Kandidat:innen.

  • Frauen erhalten signifikant häufiger Beanstandungen oder Rückfragen als Männer. Im Leben von Frauen hat sich aufgrund des Nihil Obstat häufiger eine Einschränkung ergeben (45%) im Vergleich zu Männern (35%).
  • Über die Hälfte aller Beanstandungen und Rückfragen beziehen sich auf Themen wissenschaftlicher Forschung.
  • Bei der Form der Auflösung von Rückfragen und Beanstandungen wurde in 78% der Fälle „Sonstiges“ angegeben. Die Auflösung erfolgt augenscheinlich auf sehr unterschiedlichen, nicht standardisierten Wegen.
  • 41% der Befragten stimmen eher oder vollständig der Aussage zu, dass sie Nachwuchswissenschaftler:innen, die eine Karriere anstreben, beraten, keine Themen zu bearbeiten, die das Nihil Obstat gefährden könnten.
  • Die Mehrheit der Professor:innen gibt an, dass das Nihil Obstat-Verfahren entweder privat oder in ihrer wissenschaftlichen Forschung Einschränkungen mit sich gebracht hat.
  • In offenen Antworten kritisieren die Befragten die Intransparenz des Verfahrens, seine Auswirkungen auf das Privatleben und die Wissenschaft und fordern seine Abschaffung.